In irgendwas die Beste, die Erste oder die Schnellste zu sein – das wünschen sich viele und doch bleibt es für die meisten nur das: ein Wunsch. Die Sportkletterin Lena Herrmann hat sich diesen Wunsch im letzten Jahr erfüllt. Durch die Begehung der Route „Battle Cat“ im Frankenjura ist sie die erste deutsche Frau, die in den Schwierigkeitsgrad 11-/11 vordringen konnte. Im Interview erzählt sie von ihrem Jahr 2016, ihrer Wohnsituation in Bayreuth und der Verbindung zur alten Heimat.

Fangen wir mit dem vergangenen Jahr an. Was waren Deine Highlights 2016?

Der Höhepunkt war auf jeden Fall die Route „Battle Cat“. Ich habe viel Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt und konnte mich am Ende selbst belohnen. Es macht mich stolz die erste deutsche Frau zu sein, die etwas in dem Grad geklettert ist. Abgesehen vom sportlichen Erfolg und den damit einhergehenden Emotionen, die ich mit der Route verbinde, habe ich hier viele neue Freundschaften geschlossen – das macht dieses Erlebnis zu etwas ganz Besonderem.

Und in deinem Leben fernab vom Fels?

Auch hier bin ich an meine Grenzen gegangen: Ich habe es nicht für möglich gehalten, aber ich habe eine super scharfe Jalapeño gegessen UND habe überlebt.

Du wohnst mittlerweile in Bayreuth, kommst aber ursprünglich aus Hildesheim. Hat es Dir hier im Norden nicht mehr gefallen?

Gefallen hat es mir schon, aber da kamen viele andere Dinge zusammen. Nachdem man im Selter nicht mehr klettern durfte habe ich mit meinem Vater viele Ausflüge in die Fränkische gemacht und so die Region lieben gelernt. Auch das Training im Felskader hat mich immer wieder hier her geführt. Irgendwann war für mich klar, dass ich hier leben möchte.

Du bist durch die Kletterei viel unterwegs, nicht nur in Deutschland. Schaffst du es trotzdem noch Kontakte in deine alte Heimat zu pflegen?

Definitiv. Ich bin zwar nicht mehr oft daheim, trotzdem gibt es dort so viele Leute, zu denen ich niemals den Kontakt verlieren möchte. Dafür begleiten sie mich schon viel zu lange auf meinem Weg – sportlich und privat. Nicht zuletzt verdanke ich diesen Menschen auch meinen Humor.

Du sagst „daheim“ – Was ist deine Heimat und was dein Zuhause?

Ich würde sagen Heimat ist relativ: meine alte Heimat ist Hildesheim, meine neue Heimat Bayreuth. Mein Zuhause ist ganz klar mein kleines Zimmer in der coolsten Kletterer-WG in Bayreuth! Und trotzdem: Ich verbinde so viele schöne Erinnerung mit Hildesheim, mit dem Selter  und natürlich mit meiner Familie, die größtenteils immer noch dort wohnt, dass ich die Zeit dort niemals missen möchte.

Obwohl das Klettern offensichtlich viel Zeit in Anspruch nimmt, studierst du. Wie kriegst Du das alles unter einen Hut?

Ich habe natürlich einen straffen Zeitplan, aber mit der nötigen Disziplin ist auch das zu schaffen. Dazu kommt noch, dass mir jedes Training super viel Spaß macht – da arbeite ich gerne drauf hin. Ich bin sehr dankbar auch von meiner Universität Halt und Unterstützung als Sportlerin zu erfahren.

Und was hast du dir für das Jahr 2017 vorgenommen?

Für 2017 habe ich einige Ziele, die schon feststehen und auf welche ich hin trainiere, ein anderer Teil ist noch offen, den gestalte ich je nach Inspiration, Wetter etc. Meine Wettkampfaktivität werde ich sehr gering halten in diesem Jahr, weil ich im vergangenen Jahr gemerkt habe, dass die Kombi aus Fels und Wettkampf neben der Uni noch schwieriger ist als erwartet. Daher hab ich mich dazu entschlossen einfach weiter meinem Herzen zu folgen und das zieht mich in den Wald, nicht in die Halle :-).